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Scarpa, Carlo
(*) 02.06.1906, Venezia (x)27.11.1978, Sendai
Der nachfolgende Artikel beschränkt sich auf Carlo Scarpas Rolle in der Glaskunst.

Eine allgemeine Biographie findet sich zum Beispiel hier:


Allgemeine Biographie auf Wikipedia.org



Carlo Scarpa und das Glas

Nach seinem Studium an der Kunstakademie in Venedig beginnt Scarpa mit ersten Entwurfstätigkeiten für M.V.M. Cappellin & C., deren Produktion unter der künstlerischen Leitung Vittorio Zecchins noch teils die Züge eines Neo-Historismus aufweist. Dies gilt insbesondere für einige Zecchin Soffiati die sich auf Renaissance Vorbilder beziehen.

In Scarpas Werk lassen sich bereits hier in der Formgestaltung der Gefäße, vor Allem aber auch in der Gesamtkonzeption der Cappelin Filiale in Florenz, erste Anregungen durch die schlichte, konzentrierte Gestaltungslehre des fernen Ostens erkennen.

Cappellin trifft in einer wirtschaftlichen Krise Italiens nicht das Zeitgefühl.
1931 geht die Firma in Konkurs und Cappellins ehemaliger Partner, der Mailänder Rechtsanwalt Paolo Venini holt den jungen Architekten Scarpa in seinen Betrieb.

Bei Venini wurden unter Leitung Martinuzzis bereits in den zwanziger Jahren technische Neuerungen vollzogen, ein Beispiel sei das "vetro pulegoso", stark blasiges Schaumglas,wohl inspiriert durch die glastechnischen Entwicklungen während des Französischen Art Deco. Bei Martinuzzi meist verarbeitet in antikisierenden Formen, trifft das blasige grüne Glas das Zeitgefühl und hat somit kommerziellen Erfolg.

1932 tritt der Mailänder Architekt und Maler Tomaso Buzzi an Martinuzzis Stelle. Durch dessen Verbindung zu der um Gio Ponti entstandenen Gruppe "Il Laberintho" fand Paolo Venini nicht nur einen renomierten Künstler für die Leitung seiner Entwurfsabteilung, sondern auch eine hervorragende Präsenz in der von Ponti 1928 gegründeten Zeitschrift "Domus".

Scarpa unterstützt Buzzi und beide teilen eine Vorliebe für schlichte Formen, auch die Dekore sind neu, bleiben jedoch verspielt und traditionell. Wie auch in anderen Europäischen Glaszentren wird Anfang der dreißiger Jahre viel zwischen den Schichten gearbeitet. Metallfolien- und Pulvereinschmelzungen sind ein stark verwendetes Element.

1934 übernimmt Carlo Scarpa die Entwurfsleitung. Vielleicht ist es seine Arbeit als Innenarchitekt die ihn schnell zur Reduktion des einzelnen Gefäßes bewegt und die Gesamtkonzeption in den Vordergrund treten lässt, vielleicht ist es die schlechte wirtschaftliche Situation. Wahrscheinlich ist es beides und im Nachhinein ein Glücksfall.
Es ist in jedem Falle eine Neuerung die den handwerksstolzen Meistern an den Öfen der Insel,
die sich seit Generationen mit der Vollendung von Transparenz und filigranen Techniken
auseinandersetzten, nur schwer zu vermitteln war.

Scarpa scheint zum Punkt 0 zurück zu gehen um das Muraneser Glas, im Blickwinkel eines Mannes der weit über die Grenzen der Insel hinaus denkt, neu zu definieren.

Sein vetro corroso, meist einfarbige, dickwandige Gläser mit korrodierten Oberfläche und ostasiatischer, oder simpler, asymmetrischer Form, die die fünfziger Jahre vorweg nimmt, bewirkt eine archaische Anmutung.

Die "battuti", "incisi" und "velati" zeigen auf der Insel zuvor kaum verwendete Kalttechniken, für die Murano heutzutage weltweit berühmt ist. Sie erwecken, obgleich sie mehr handwerkliches Geschick erfordern, die selbige rustikale, raue Anmutung wie die simpleren "corroso" Gläser. Die Transparenz und das Lichtspiel werden auf ein geheimnisvoll erscheinendes Minimum gebändigt, die Struktur der Oberfläche und die Haptik treten in den Vordergrund.

Nach der Reduktion erfolgt die Verfeinerung unter Kombination des für Murano Neuen und des Alten. Die Farbe und die Filigrantechniken werden in Scarpas Werk wieder belebt, die Betonung der Oberfläche und die reduzierte Form bleiben zumeist. Gläser mit farbigen Streifen werden beispielsweise irisiert, oder mit "battuto" Schliff strukturiert.

Scarpa ist damit nicht nur maßgeblich wegbereitend für die kreative Explosion des Muraneser Glases in den fünfziger Jahren, sondern auch für das muraneser Glasgefäß bis in die heutige Zeit, sei es reduziert und zum Gebrauch, oder ein Kunstgefäß mit Objektcharakter.

Nach dem Kriege widmet er sich wieder ganz der Architektur und heute, nach seinem Tod gilt Scarpa als Architekt mit meisterhafter Fähigkeit, historische mit modernen Elementen zu verbinden und wird gerühmt für seinen geschickten Umgang mit natürlichem Licht bei der Gestaltung von Innenräumen.

Sicher ist es auch die Beschäftigung mit dem uns so lieb gewordenen Material und der Form des Gefäßes, die Ihn gerade diese Auszeichnungen auf dem Gebiet der Architektur verdienen ließ.

 
   

 
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