Glas Metall Silber Porzellan Keramik Gemälde Möbel


Gallé


Gallé, Emile
(*) 1846, Nancy (x)1904, Nancy
Entwerfer für Keramik, Möbel und Glas, Naturwissenschaftler und Unternehmer.
Am 4.5.1846 wurde Emile Charles Martin Gallé als Sohn des Kaufmannes und gelernten Porzellanmalers Charles Gallé in Nancy geboren. Mit der Veredelung von Keramik und Glas kam Emile Gallé schon während seiner Schulzeit durch den väterlichen Betrieb in Berührung.
Sein Vater Charles hatte 1845 nach der Heirat mit der Tochter eines Spiegelfabrikanten, die schwiegerväterliche Firma zu einem Großhandel für Keramik und Glas ausgebaut, der auch selbst produzierte.
Im firmeneigenen Veredelungsbetrieb volontierte Emile Gallé 1862, nachdem er sein Abitur abgelegt hatte und erlangte so die handwerklichen Grundlagen für Emaillemalerei und Glasschnitt. Weiterhin nahm er privaten Zeichenunterricht und besuchte an der Universität sowohl geisteswissenschaftliche Seminare, als auch naturwissenschaftliche. Insbesondere galt sein leidenschaftliches Interesse der Botanik.
1865/66 ging Emile Gallé nach Weimar zur Fortsetzung seiner Studien.
1866/67 absolvierte er eine einjährige Glasmacherlehre in der Hütte von Burgun,Schverer & Co. in Meisenthal, die bereits längere Zeit den Betrieb seines Vaters belieferte. Seit einiger Zeit war er in den verschiedenen Ateliers seines Vaters als Entwerfer tätig.
1871 präsentierte er die väterliche Firma auf der Ausstellung Art de France in London und besuchte dort sehr eifrig die ostasiatische Abteilung des South Kensington Museums und den botanischen Garten. Die Auseinandersetzung mit europäischer und ostasiatischer Kunst vertiefte er dann im Louvre.
1874, zurück in Nancy, übernahm er die Leitung des väterlichen Unternehmens, nur die kaufmännische Führung behielt sich der Vater bis zu dessen Tode 1898 vor.
Emile Gallé heiratete 1875 Henriette Grimm und zog in eine Villa an der Avenue de la Garenne, wo auch in den folgenden Jahrzehnten die gesamte Manufaktur Ihren Sitz haben sollte. Die Weltausstellung 1878 war dank breiter Anerkennung des Glases erfolgreich.
Noch durchschlagender war der Erfolg auf der Ausstellung der Union Centrale des Art Décoratifs 1884. Noch überwogen die klaren Gläser, mit Emaille und Gravur dekoriert, doch durch den Eindruck den François-Eugène Rousseaus Arbeiten auf Gallé machten, fand sich auch schon eine große Gruppe vom mehrfach überfangenen Gläsern mit Pulver-,Oxyd- und Metallfolieneinschmelzungen in seinem Sortiment.
Auf anschließenden Reisen zu verschiedenen europäischen Museen begann der Japonismus einen immer stärkeren Einfluss auf Gallés Werk auszuüben, hinzu kam die Freundschaft mit dem japanischen Botaniker Tokuso Takasima der in Nancy studierte.
1884 richtete Gallé eine Möbelwerkstatt ein.
Die jahrelange Zusammenarbeit mit Burgun & Schverer wurde intensiviert und ein Großteil der Produktion wurde unter Leitung von Désiré Christian und mit Hilfe des jungen Assistenten Eugène Kremers dort hergestellt. In dieser Zeit konnte sich Gallé mit der Weiterentwicklung seiner Gläser in Nancy befassen, die in jenem ostasiatisch anmutenden Überfangglas ein Ergebnis fand, das ihn auf der Weltausstellung 1889 zu seinem triumphalen Erfolg führte und international begeistert aufgenommen und beworben wurde.
Die Unterschiede zwischen der geätzten seriellen Überfangware und den geschnittenen, raffinierten Ateliergläsern schlagen sich heute auch deutlich im Preisbild nieder.
Der künstlerischen Anerkennung folgte der wirtschaftliche Aufschwung, 1884-94 beschäftige Gallé in Nancy rund 300 Mitarbeiter.
Gallé wurde als Mitglied in die Société Natiolale des Beaux Arts aufgenommen und war so zur Teilnahme an den jährlichen Salon Ausstellungen berechtigt.
Daneben gründete er mit einem Kreis von Künstlern in Nancy die Société Lorraine des Arts Décoratifs die mit einer großen Ausstellung die führende Position der Region Nancy in der angewandten Kunst in Frankreich zu dieser Zeit manifestierte.
1897 lies sich Gallé die Glastechniken Marqueterie und Patinage patentieren. Der Marqueterie, kurz und unzureichend beschrieben eine Technik mit der man Glasstücke in heißem Zustand in ein bestehendes Grundglas intarsieren konnte, folgten plastische Applikationen, heiß aufgelegt und kalt zu regelrechten Glasskulpturen geschnitten, die Gallé auf der Weltausstellung 1900 einen letzten großen Triumph einbrachten.
Gallé und seine künstlerischen Mitarbeiter erhielten zahlreiche öffentliche Auszeichnungen.
Nach der Gründung der Ecole de Nancy 1901, wurde Gallé krank und er starb schließlich 1904 kurz vor der Eröffnung der großen Ausstellung der Ecole de Nancy in Nancy.
Seine Witwe und sein Schwiegersohn führten die Firma mit nur wenig künstlerischen Neuerungen bis etwa in das Jahr 1931 weiter.
Dennoch stammen einige der bekanntesten Gallé Vasen aus der Zeit nach Gallés Tode, so z.b. die Calla Lilly Vase und die Vase mit einem Fries aus Elefanten, die beide auf der Weltausstellung 1925 präsentiert wurden.

 
   

 
(c) 2004 Galerie Schürenberg